KuRT Festival Reutlingen, 17.07.2009
Wenn Freitag morgens um 9:00 Uhr, also in aller Herrgottsfrüh, das
Telefon klingelt, kann es zu einer überwältigenden 8/9 Mehrheit nur
einen Grund haben. Entweder teilt mir Frau Müller von der SKL mit, dass
ich eine Reise nach Tigris gewonnen habe oder Herr Schmidt von der
Badischen Versicherung will mir ne Versicherung für meine Finger
anbieten da ich bei Verlust ja nicht mehr Gitarre spielen könne. Da
diese Uhrzeit mit meinem erst seit wenigen Stunden begonnen Schlaf
kollidiert wird das Klingeln aus lauter Verachtung mit wachsender
Begeisterung ignoriert.
Dieser Freitag sollte jedoch anders werden als jeder andere Morgen,
der mit einem nächtlichen Anruf begann. An diesem legendären 17. Juli
2009 stand ich aus Gründen, die der Rock-Gott allein weiß, beim Klingeln
des Telefons sofort auf und sollte dafür auch sofort belohnt werden.
Auf ein schlaftrunkenes, untertriebenes und kleinspuriges „Hallo, hier
der größte Gitarrist aller Zeiten“, antwortete eine frohe Stimme „Hallo,
hier ist der Klaus, wie spontan seid ihr?“. Da mein Zustand irgendwo
zwischen Koma und Narkose schwebte, waren das eindeutig zu viele
Informationen auf einmal und ich musste erst mal sortieren. Erste Frage:
Wer ist Klaus? Wer sind IHR? Und warum bin ich überhaupt aufgestanden?
Nach 5 Sekunden merkte ich, dass es irgendwas mit der Band zu tun hat
und antwortete: „Sehr spontan, worum geht’s denn?“ Klaus antwortet nur
noch: „Klasse, dann dürft ihr heute Abend das KuRT Festival eröffnen.
Stage-time ist 17:00 Uhr.“ Mein Zustand verwandelte sich schlagartig von
Koma zu Ekstase. Ich sagte natürlich gleich zu und freute mir nen Tisch
in die Tasche. Leider war erst 9 Uhr und ich wusste nicht, was jetzt
tun mit der ganzen Zeit bis zum Gig.
Erst ma der Band bescheit gesagt und ungläubiges Gelächter mit
anhören müssen. Dann aber doch alle am freuen. Nach unzähliger Warterei
und Freuerei doch noch auf dem KuRT spielen zu dürfen, wo wir ja letztes
Jahr schon nen genialen Gig hatten traf man sich noch zu viert vorm
Proberaum und lud das Wichtigste ein. Unser allseits beleibt äh
beliebter Schlagzeuger und Band-Papa Jo Schnitzer ist so sozial, dass er
seinen Zivi direkt nach dem Abi angefangen hat und jeden Tag bis halb 5
arbeiten muss. Der kam dann also geschätze 5 Minuten vor 17:00 Uhr auf
dem Gelände an, gerade rechtzeitig, um den Soundcheck seines Mirkos
selbst durchzuführen. Die anderen 4 warnen schon fertig mit dem Checken
und so wurden zum ersten Mal die Vorteile eines VIP Backstage AAA Passes
genutzt. Kurz noch frisch gemacht, dann vom Mann mit der Hornbrille
angesgat und auf die Bühne gestürmt. Ach was ein Gefühl zurück auf die
Bretter des KuRT und mit den paar Menschen vor der Bühne dann 25 Minuten
lang ne gewaltige Party gestartet. Hat wirklich riesig Spaß gemacht und
wir waren auch erstaunlicherweise relativ tight wie man ja neudeutsch
zu sagen pflegt.
Nach dem Gig begann dann aber der richtige Spaß. Sofort wurde damit
begonnen, die Biervorräte zu dezimieren und das wunderbare Essen zu
verköstigen. Eigentlich ein perfekter Tag, hätte sich Petrus nicht
spontan dazu entschlossen, seinen gesamten Regenvorrat, den es
wahrscheinlich gerade billig im SSV im Himmel gab, auf Reutlingen
tropfen zu lassen. Es schüttete wirklich in Strömen. Und der gesamte
Backstage-Bereich war nach kurzer Zeit komplett überflutet. Für uns hieß
das der Weg zum Bier ist versperrt….
Kurz bevor wir den Bau unserer Arche aus Bänken, Holz und
Plastiksäcken fertig gestellt hatten, ließ es ein bisschen nach und wir
trauten uns hinaus auf das Gelände. War leider sehr wenig los und so
spielten fast alle Bands vor leeren Rängen. Erst gegen später wurde es
dann etwas voller. Sollten ja auch noch klasse Bands spielen. Kilians
und Karpatenhund zum Beispiel. Die waren dann auch bald Backstage und
wir hatten ne Mords-Gaudi mit den Jungens und dem Mädel. Sind wirklich
so klasse drauf, die beiden Bands, absolut am Boden geblieben und total
nett.
Sind jetzt dicke Homies mit den Kilians und mit allen mindestens
per Du.
Gianni hat dann auch noch ganz stolz erzählt, dass die Claire von
Karpatenhund ihn nach Kippen gefragt hat und sie dann das gesamte
Kiiians Konzert zusammen geschaut haben. Davon erzählt er eigentlich
heute noch…
Ja, es war ein durchaus gelungener Tag und wer weiß, was alles
anders gelaufen wäre, wenn ich mich nicht dazu entschieden hätte um 9
Uhr nachts ans Telefon zu gehen…
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